Samstag, 8. November 2008

Allgemeine Beziehungs-Psychologie

Rot macht Frauen attraktiver

In einer amerikanischen Studie stuften die männlichen Teilnehmer eine auf einem Foto abgebildete Frau dann als besonders begehrenswert ein, wenn die Frau rote Kleidung trug – und sogar schon dann, wenn das Bild einen roten Rahmen hatte. Auf die Bewertung von Sympathie und Intelligenz hatte die Farbe dagegen keinen Einfluss.
«Es ist faszinierend, dass etwas so Allgegenwärtiges wie Farbe auf unser Verhalten wirkt, ohne dass wir uns dessen bewusst sind», sagt Untersuchungsleiter Andrew Elliott von der Universität
Rochester. Der Psychologe vermutet, dass die Beziehung zwischen roter Farbe und sexueller Attraktivität nicht durch kulturelle Einflüsse entsteht, sondern biologische Wurzeln hat. Im Tierreich signalisieren weibliche Schimpansen und Paviane den Männchen ihre Empfängnisbereitschaft durch rote Färbung der Geschlechtsregion.
«Unsere Resultate zeigen eine Parallele in der Art, wie menschliche und nicht-menschliche Primaten auf Rot reagieren», schreiben die Forscher im «Journal of Personality and Social Psychology». So gerne Männer auch glauben würden, sie würden auf Frauen bedächtig und differenziert reagieren, so die Psychologen weiter: Ihre Vorlieben seien scheinbar doch zumindest in gewissem Mass primitiv.



Viel Humor - Viel Grips?

Frauen mögen spaßige Männer, und ein Mann bevorzugt Frauen, die über seine Scherze lachen. So lautet das Ergebnis zweier aktueller Studien von Eric Bressler vom Westfield State College in Massachusetts und Sigal Balshine von der McMaster University in Hamilton, Ontario.
In der ersten Untersuchung sollten 200 Männer und Frauen die Attraktivität von Mitgliedern des anderen Geschlechts beurteilen. Hierzu schauten sie Fotos an, unter denen jeweils ein Zitat angeheftet war: entweder ein lustiges oder ein eher farbloses, langweiliges. Wie erwartet bewerteten die Frauen die humorvollen Männer als die besseren potenziellen Partner und schätzten sie als freundlicher, lustiger und beliebter ein. Die Ansicht der Männer über die Attraktivität der Frauen war von deren Witz hingegen gänzlich unbeeinflusst.
Im Folgeexperiment bewerteten rund 130 Studierende die Anziehungskraft zweier Menschen des anderen Geschlechts, die angeblich entweder selbst witzig waren oder den Humor anderer sehr schätzten. „Frauen bevorzugten generell Männer, die lustig waren, während Männer eine Frau wollten, die denkt, dass er lustig ist“, beschreiben die Forscher das Ergebnis.
Das ist nicht wirklich überraschend. Die meisten konnten dieses Phänomen wohl schon in ihrem Alltag beobachten, und auch Bressler kam bereits zu einem ähnlichen Ergebnis: Er fand heraus, dass Männer zwar in Freundschaften Kontakt zu Frauen suchen, die andere zum Lachen bringen. Wenn ein Mann hingegen eine sexuelle Verbindung anstrebt, bevorzugt er meist solche Frauen, die seine Witze zu schätzen wissen.
Doch wie lässt sich das erklären? Der Psychologe Geoffrey Miller von der University of New Mexico hat folgende Theorie vorgeschlagen: Frauen mögen lustige Männer, weil deren Witz anzeigt, dass sie ein aktives und gesundes Gehirn haben. Dies wiederum verspricht gute Gene. Humor „ist ein sehr mächtiger und zuverlässiger Weg, um Kreativität und Intelligenz zu zeigen“, sagt Miller. Eine Frau, die einen witzigen Mann wählt, würde dann wahrscheinlicher gesunde Kinder zur Welt bringen, die sich wiederum eher vermehrten und so die Gene der Frau erhielten. Die so genannte sexuelle Selektion würde also Frauen bevorzugen, die sich klugerweise für einen witzigen Mann entscheiden – also männlichen Humor zu schätzen wissen.
Unklar bleibt allerdings, warum Männer nicht ihrerseits witzige Frauen bevorzugen, um den Fortbestand ihrer Gene zu sichern. Einstweilen hat Bressler für Frauen jedenfalls einen sehr praktischen Rat zum eleganten Abweisen unerwünschter Verehrer parat: „Wenn Sie nicht an einem Mann interessiert sind, lachen Sie nicht über seine Witze.“ – Was eine kluge Frau zu tun hat, wenn sie ihn mag, seine Scherze aber unlustig sind, liegt wohl auf der Hand.


Verliebtheit währt nur ein Jahr

Zuneigung und Verbundenheit in einer Liebesbeziehung können ein Leben lang vorhalten. Das romantische Gefühl überschwänglicher Verliebtheit hingegen ist leider vergänglich und auf das erste Jahr der Zweisamkeit beschränkt.
Zu diesem Ergebnis sind jetzt Wissenschaftler der italienischen Universität von Pavia gekommen. Für den rapiden Verfall der romantischen Liebe nach etwas mehr als einem Jahr machen sie erhöhte Werte von „Neurotrophinen“ verantwortlich. Das sind körpereigene Signalstoffe, die zielgerichtete Verbindungen zwischen Nervenzellen bewirken. Nach Angaben der Forscher sorgen Neurotrophine für die typische Euphorie am Beginn einer Liebesromanze, für schweißnasse Hände und Schmetterlinge im Bauch.
Die Forscher um Emanuele Enzo haben frisch verliebte Frauen und Männer untersucht und sie mit Paaren in mehrjährigen Beziehungen verglichen. Ergebnis: Die Neurotrophin-Werte der Frischverliebten waren deutlich höher. Doch als die Forscher diese Probanden ein Jahr später erneut ins Labor baten, war keine bedeutsame Erhöhung der Neurotrophin-Werte mehr festzustellen. Offensichtlich hatten sich die romantischen Mobilmachungsstoffe im Lauf des zweisamen Alltags nach und nach verflüchtigt und schließlich auf Normalwerte eingependelt.
„Das bedeutet nicht, dass sich diese Menschen nicht mehr liebten, aber es macht deutlich, dass es sich nicht mehr um jenen besonderen Zustand der akuten Liebe handelte“, so Mituntersucher Pierluigi Politi. „Die Beziehung ist offensichtlich stabiler geworden, und die romantische Liebe ist damit zu Ende gegangen. Es scheint, dass biochemische Mechanismen dafür sorgen, dass es zu Stimmungswechseln kommt, wenn sich die Beziehung stabilisiert hat“, erklärt der Forscher.
Dass sich die Neurotrophin-Werte beim Verlieben verändern, hält Andrea Blöchl, Expertin für Neurotrophin-Forschung an der Universität Bochum, für möglich. „Neurotrophine tragen etwa zur Gedächtnisbildung bei“, so Blöchl. „Beim Auf- und auch beim Abbau von neuen Nervennetzen spielen diese Stoffe eine große Rolle.“ Da liegt doch der Schluss nahe: Liebe ist, wenn man sich noch nicht so recht kennt …


Glücklich, glücklicher, verheiratet!

Eine Beziehung zu haben, macht Männer und Frauen glücklicher, und zwar umso mehr, je verbindlicher die Partnerschaft ist: Verheiratete sind glücklicher als „nur“ Zusammenlebende und als Partner, die getrennt voneinander wohnen, oder Singles. Das gilt sogar für Eheleute, die mit ihrer Partnerschaft nicht sonderlich zufrieden sind. Zu diesem Ergebnis kamen jetzt die Forscher Claire Kamp Dush und Paul Amato in einer Studie an 691 Menschen.
Offenbar profitieren Eheleute von den „geordneten Verhältnissen“, die ihnen wechselseitige Pflichten auferlegen, aber auch Sicherheiten gewährleisten. „Etwas Verpflichtung scheint gut zu sein, aber mehr Verpflichtung scheint noch besser“, sagt Claire Kamp Dush. Die Verbindlichkeit einer Beziehung hat auch unabhängig von ihrer Qualität einen Einfluss auf das Wohlbefinden der Partner, so dass selbst unglücklich Verheiratete noch von ihrer Verbindung profitieren: „Selbst wenn man die Beziehungszufriedenheit herausrechnet, ist das Verheiratetsein mit einer größeren Selbstachtung, mehr Lebenszufriedenheit, mehr Glücksgefühl und weniger Stress verbunden.“ Kamp Dush führt das auf die Stabilität einer Ehe, ihre Verbindlichkeit und ihren sozialen Status zurück.


Partnersuche: Besser balzen mit den richtigen Geschenken

Was tun Männer, um Frauen zu umwerben? Sie machen Komplimente, prahlen mit ihren Stärken, sind aufmerksam – und laden die Herzensdame ein oder bringen Geschenke mit. Laut einer aktuellen Studie britischer Forscher lohnen sich diese Ausgaben auch – vor allem wenn es sich um teure, aber für die Frau längerfristig materiell „wertlose“ Präsente handelt, wie zum Beispiel Theaterkarten oder Einladungen zum Essen.
Peter Sozou und Robert Seymour vom Londoner University College entwickelten ein mathematisches Modell. In diesem gab es für die potenziellen Partner mehrere Entscheidungen: Der Mann sollte auswählen, ob er einer Frau ein wertvolles, extravagantes oder billiges Geschenk machen wollte, und zwar je nachdem, wie attraktiv er sie fand. Die Frauen konnten das Geschenk annehmen oder ablehnen. Auf Grundlage des Präsentes und der Attraktivität des Verehrers sollten sie außerdem entscheiden, ob sie mit dem „Bewerber“ zusammen sein wollten oder nicht.
Sozou und Seymour rechneten verschiedene Entscheidungsfolgen durch. Sie empfehlen Männern, am häufigsten teure, extravagante Geschenke zu machen, die jedoch für die Frauen keinen bleibenden materiellen Wert haben, also an sich „wertlos“ sind. Wenn er sie etwa ins Konzert oder zu einem teuren Dinner einlädt, hat eine Frau nur wenig Anlass, diese Geschenke zu akzeptieren, wenn sie kein Interesse an ihrem Verehrer hat. Wer will schon einen Abend vergeuden? So könne sich der Galan am ehesten vor den Frauen schützen, die nur auf das Geld aus seien. Andererseits könnte sie sicher sein, dass ihr der Mann ernsthaft Avancen macht, denn sonst würde er wohl kaum so viel Geld für sie ausgeben. Teure, materiell auch längerfristig wertvolle Präsente sollten hingegen nur gelegentlich gemacht werden, denn böswillige Frauen könnten dies ausnutzen und den Mann fallen lassen, wenn sie das Geschenk bekommen haben.
Alison Lenton, Sozialpsychologin der Universität von Edinburgh, kritisiert in der Onlineausgabe des New Scientist das Modell der beiden Wissenschaftler: Es gehe zum Beispiel davon aus, dass Frauen körperlich unattraktive Männern ablehnen. Dies sei jedoch nicht immer der Fall. Frauen bevorzugten Eigenschaften, die auf einen guten potenziellen Vater schließen lassen – mehr als physische Reize. Außerdem machten „wertlose“ Theaterbesuche längerfristig glücklicher als „wertvolle“ materielle Gegenstände. Vielleicht lassen sich komplexe Dating-Entscheidungen doch nicht so leicht auf ein mathematisches Modell reduzieren …


Partnerwahl: Anziehende Fremdheit

Was stimmt denn nun – „Gegensätze ziehen sich an“ oder „Gleich und Gleich gesellt sich gern“? Bei der Partnersuche interessieren wir uns eher für diejenigen, die uns ähnlich sind: Menschen mit vergleichbaren Werten, sozialem Hintergrund und Bildungsniveau finden häufiger zueinander. Für das Äußere gilt dies jedoch nicht, hier ziehen sich die Gegensätze an: Ähnliche Gesichtszüge wirken zwar vertrauenswürdig, aber nicht sexuell attraktiv.
Zu diesem Ergebnis kam jetzt Lisa M. DeBruine von der kanadischen McMaster University. Sie zeigte 144 Studierenden neun Gesichter des anderen Geschlechts. Die Bilder wurden immer paarweise am Computerbildschirm präsentiert, und es gab drei Durchgänge mit einer jeweils anderen Fragestellung: Die Teilnehmer sollten bei jedem Vergleichspaar auf das Gesicht klicken, das sie vertrauenswürdiger, attraktiver für eine kurze Affäre oder attraktiver für eine längerfristige Beziehung fanden. Eines der Gesichter ähnelte dem des Befragten besonders stark: Es wurde vor dem Versuch durch eine „Fotomontage“ am Computer dem Äußeren des Untersuchungsteilnehmers angeglichen – ohne dessen Wissen.
Das Ergebnis: Die Probanden fanden das ihnen angeglichene Gesicht am vertrauenswürdigsten. Bei der Frage „langfristige Beziehung“ entschieden sich die Studierenden gleich häufig für das vertraute wie für anders aussehende Gesichter. Ging es jedoch um eine kurzfristige Affäre, bei der der sexuelle Anreiz entscheidend ist, wirkte sich die Ähnlichkeit nachteilig aus: Die Probanden empfanden das angeglichene Gesicht als weniger anziehend (Proceedings of the Royal Society of London, B, in press). Ein vertraut wirkendes Antlitz schmälert also die sexuelle Attraktivität, und dies ist sinnvoll, denn zu große Übereinstimmung im Aussehen kann ein Zeichen für Verwandtschaft sein. Für Affären möglichst anders aussehende Partner zu wählen, kann daher vor Inzucht schützen.
Schon frühere Studien haben gezeigt, dass Ähnlichkeit die Vertrauenswürdigkeit erhöht und auch die Attraktivität einer Person für eine gleichgeschlechtliche Freundschaft steigert. Mit ihrer Studie konnte DeBruine nun nachweisen, dass diese Bevorzugung „verwandt“ aussehender Menschen abhängig vom Kontext ist – und kein generelles Phänomen.

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